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Eich

Katholische Kirche

Die Pfarrkirche St. Michael Eich

Der an einem Arm des Altrheins gelegene Ort Eich besaß nachweislich im 12. Jh. eine dem hl. Lupus geweihte Kirche, die 1139 dem Wormser Paulusstift geschenkt wurde. Diese mittelalterliche Kirche fiel in der Pfälzischen Kirchenteilung nach 1705 den Reformierten zu und einen Rest von ihr kann man noch heute in den unteren Teilen des Turms (15. Jh.) der evangelischen Kirche sehen. Die Katholiken bauten sich 1739 ein eigenes Gotteshaus, nun dem hl. Michael geweiht, doch es bestand nicht lange. 1864–66 errichtete man die neue Michaelskirche nach Plänen des Mainzer Kreisbaumeisters Philipp Johann Berdellé (1838–1903). Er konzipierte sie im Stil der Neugotik als steinsichtigen Saalbau mit einfachen Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern. Seit der teilweisen Freilegung und Wiederherstellung der ornamentalen Wandmalereien in den 1980er Jahren vermittelt der Innenraum eine ungefähre Vorstellung von der einst reichen historistischen Ausmalung.

Im gewölbten Altarraum bildet der Hochaltar des 19. Jh. gemeinsam mit den originalen Fenstern ein stimmungsvolles Ensemble. Vor dem Triumphbogen stehen eine barocke Mondsichelmadonna und eine Jesusfigur des frühen 20. Jh. Überregionale Bekanntheit erlangte St. Michael durch die 14 Tage nach Ostern stattfindende Motorradsegnung, die die katholische Kirche gemeinsam mit den Motorradfreunden Eich 22 Jahre lang durchgeführt hatte. Begonnen mit 105 Teilnehmern, ließen 2007 bereits über 15.000 Biker nach dem Segen ihre Motoren brummen. Zu hohe gesetzliche Sicherheitsauflagen bereiteten der schönen Tradition 2013 ein Ende.

Ein Wolf als Heiliger? Unter den im Hochaltar versammelten Heiligen ist auch der Patron der alten Eicher Kirche dargestellt der hl. Lupus (lat. = Wolf). Drei hl. Bischöfe dieses Namens sind bekannt: Bischof Lupus von Troyes († 478), Lupus von Bayeux (5. Jh.) und der bekanntere Lupus von Sens († 623). Hier ist wohl letzterer dargestellt, worauf der Kelch in seiner Hand hinweist: Einer Legende zufolge soll dem Bischof während einer Messe wundersam ein kostbarer Stein vom Himmel in den Kelch gefallen sein.

(Diana Ecker in: Kirchen, Kappellen & Heiligenhäuschen. Katholische Glaubensorte in Rheinhessen. Verlag Matthias Ess, 2016, Herausgeber Bistum Mainz)

Evangelische Kirche

Die Ev. Kirche in Eich ist eine Basilika im klassizistischen Stil, die von1841-1845 errichtet wurde. Sie entstand nach Plänen des Baumeisters Ignaz Opfermann (1799-1866) aus Mainz. Bewusst gestaltete Opfermann das Kirchengebäude in einem sparsamen und streng-klassizistischen Stil mit Anlehnungen an die antiken Architektur. Griechische Säulenformen finden sich im Inneren als tragende Elemente für die Emporen. Die flachen Dreiecksgiebel mit dem Satteldach erinnern an Tempelfassaden. Türen und Fenster wurden im neuromanischen Rundbogenstil ausgeführt. Die Fenster auf der Westseite sind in Reihung durch Schmuckfriese miteinander verbunden. Die Friese umziehen die Dachtraufen und den Westgiebel, der mit zusätzlichen Bogenreihung ausgeschmückt ist. Der Gotik entlehnt sind die Rosettenfenster, die sich auf der Eingangsseite sowie auf der Ostseite befinden.

Im Inneren war Opfermann durch die Anwendung schlichter Formen auf Raumwirkung und Stimmung bedacht. In protestantischen Kirchen galt es als generell zweckmäßig, Emporen vorzusehen. Die Treppen zu den Emporen findet man rechts und links vom Eingang. Auch hierbei, wie auch bei der gesamten Raumgestaltung, wurde die symmetrische Anordnung streng eingehalten.

In Weiterführung einer älteren protestantischenTradition wurde über dem Altar die Kanzel und darüber die Orgel von Bernhard Dreymann positioniert. Das hat den Vorteil, dass sich zu den wichtigsten Orten in einer Kirche von allen Plätzen aus, gute Sicht- und Hörbedingungen ergeben.

Der das Ortsbild prägende Turm stammt aus die 15. Jahrhundert, wurde aber Mitte des 19. Jahrhunderts erhöht und mit einer rundumlaufenden Galerie ausgestattet. Im Untergeschoss befindet sich ein gotisches Kreuzgewölbe, dessen Schlussstein das Eicher Wappen darstellt.

Das Dach, die Außenfassade, der Sandsteinboden und der Kirchturm wurden
2011 Jahren aufwendig saniert und die Kirche erhielt einen behindertengerechten Eingang.